Auf dem Weg zu einem totalitären Elitestaat?

Ein paar Gedanken zu einem neuen Aufsatz

Ich bin schon lange der Meinung, dass wir in Zeiten des Umbruchs leben, die eigentlich nur mit den großen Pestepidemien des 14. Jahrhunderts, etwa von 1345 bis 1349, vergleichbar sind. Damals ist die geordnete Welt des Hochmittelalters zusammengebrochen. William von Ockham (Abbildung: Portraitskizze von William Ockham, vermutlich eines der ersten Portraits eines Philosophen, aus einem Oxforder Manuskript [1]) zerlegte mit seiner Kritik das Gebäude der Hochscholastik, wie es Albertus Magnus, Thomas von Aquin oder Bonaventura und andere aufgebaut hatten (ich habe das etwas ausführlicher in meinem kleinen Einführungslehrbuch dargestellt [2]).

In aller Kürze: Vor allem Thomas von Aquin hatte ein sehr rationales Weltbild entwickelt, das sich an Aristoteles anlehnte und in das die christliche Theologie gut eingebettet war. Es hatte aus Ockhams Sicht – der Franziskaner war und die franziskanische Frömmigkeit befördern wollte – einen entscheidenden Nachteil: Es entfernte die Seele von einem unmittelbaren Kontakt mit Gott. Denn in der thomasisch-aristotelischen Sicht gab es keine direkte Erkenntnis Gottes, nur eine indirekte, und alles, was man über die Welt erfahren konnte, war vermittelt durch Abstraktionen. Der Preis des mittelalterlichen Kosmos und seiner Geborgenheit war also ein Einfügen des Einzelnen in ein System von Hierarchien und Abhängigkeiten, politisch genauso wie philosophisch und theologisch. Dagegen revoltierten vor allem franziskanische Gelehrte und unter diesen war Ockham der Profilierteste, Sprachgewandteste und Einflussreichste (eine gute ausführliche Darlegung all dieser Themen bei [3]). Denn sie wollten vor allem eines: einen unmittelbaren Zugang der Seele zu Gott sichern, konzeptionell-theologisch und praktisch.

Das Perfide der historischen Dialektik, die man an diesem Beispiel gut studieren kann, ist: Es gelang ihnen, vor allem Ockham, sehr gut, das scholastische Denkgebäude zum Einsturz zu bringen. Denn seine Kritik war messerscharf, extrem klug formuliert und sehr schwer zu kontern. Thomas hätte das vielleicht gekonnt, aber der war schon ca. 40 Jahre tot, als Ockham schrieb. Etwas Neues aufzubauen, also die Allmacht Gottes und den direkten Zugang der Seele zu ihrem Schöpfer theologisch-wissenschaftlich zu sichern, das gelang Ockham nicht. Das scholastische Gebäude stürzte ein. Zurück blieb ein konzeptioneller Trümmerhaufen, aus dem sich die beiden hauptsächlichen Trümmerfrauen der Neuzeit zuerst staubig, dann stolz erhoben: der Individualismus und die Bedeutung der einzelnen Person, sowie der Erfahrungszugang zur Welt, oder die Empirie als Methode. Und geboren wurde aus den Trümmern der moderne naturwissenschaftliche Zugriff auf die Welt, aus dem schließlich Gott, dann die Seele – und damit jeglicher Zugang einer Seele zu ihm – verbannt wurden.

Ockham wurde für manche These gerügt und der Papst zitierte ihn nach Avignon, wo seine Lehre untersucht werden sollte, übrigens ziemlich zeitgleich mit Meister Eckhart. Während Eckhart, überzeugt von sich und der kirchlichen Gerechtigkeit, nach Avignon reiste, aber – gut für ihn – unterwegs starb, sodass er seine Verurteilung nicht mehr miterleben musste, roch Ockham die Gefahr. Er ging zum ebenfalls gebannten Ludwig dem Bayern nach München, wo er irgendwann um 1346 der Pest zum Opfer fiel.

Die Pest leitete, zusammen mit den Gelehrten wie Ockham, die vielleicht größte Umstrukturierung der alten Welt ein, die Europa seit dem Niedergang des römischen Reiches erlebt hatte, also seit etwa 800 Jahren. Nicht nur wurde Europa entvölkert – man schätzt, dass in vielen Landstrichen ein Drittel bis zur Hälfte der Bevölkerung dem schwarzen Tod zum Opfer fielen. Die Wirtschaft änderte sich, denn Arbeitskraft wurde teurer. Die Politik änderte sich. Es entwickelte sich eine bürgerliche Schicht von Handwerkern, Händlern, Kunstschaffenden, die zur bereits bestehenden Schicht von brotlosen Intellektuellen und herumziehenden religiösen Eiferern dazukamen. Die alte feudale Ordnung zerbröselte langsam aber sicher, genauso wie das scholastische Gedankengebäude im Zerfall begriffen war.

Pest und Covid-19

Die Pest des 14. Jahrhunderts war ein Schwellenereignis, das vor allem aufgrund der demografischen, möglicherweise auch aufgrund der klimatischen Veränderungen physisch-physikalisch wirkte und sichtbar wurde. Die Folgen waren auf der Ebene der Population, der Wirtschaft, der Politik, der Kultur sichtbar. Sie waren bereits vorbereitet. Die Pest beschleunigte diese Entwicklung.

Covid-19 markiert aus meiner Sicht ebenfalls einen solchen Übergang. Nur ist er anders gelagert. Während die Pest vor allem im Außen stattfand – Tote, leere Landstriche, Wirtschaft, die darniederlag, Städte, die entvölkert oder verriegelt oder beides waren – fiel Covid-19 vor allem durch die Veränderungen im Innern der Menschen auf. Abgesehen davon, dass es das erste Mal war, dass ein künstlich im Labor erschaffenes Chimärenvirus herumgeisterte, war der Effekt vor allem ein psychisch-politisch-kultureller. Er fand hauptsächlich zunächst in den Köpfen, in den Herzen und in der Fantasie der Menschen statt, und die Politik instrumentalisierte diese Panik.

In den Demokratien des Westens führte diese Situation zu nie dagewesenen und vor allem bei weiten Teilen der Bevölkerung anstandslos akzeptierten Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten. Von der Versammlungsfreiheit angefangen, über die Bewegungsfreiheit, bis hin zur Einschränkung der Freiheit auf Religionsausübung – weil Kirchen geschlossen wurden und auch später nur mit Auflagen operieren konnten – und schließlich beinahe bis hin zur Abschaffung des Rechts auf Unversehrtheit des Körpers durch die Diskussion um die Impfpflicht. Sie wurde im letzten Moment verhindert, aber bei manchen Berufsgruppen, etwa bei den Soldaten, bei Angestellten im Gesundheitssektor war dies Realität, und durch das weit verbreitete gesellschaftliche Ausgrenzen entstand beispielloser Druck. Der Jurist André Kruschke analysiert dies sehr luzide in seinem Beitrag („Institutionalisierte Angst – ein juristischer Blick auf die Corona-Pandemie“) in dem neuen Buch, herausgegeben von Thomas A. Seidel und Sebastian Kleinschmidt „Angst, Politik, Zivilcourage – Rückschau auf die Corona-Krise“ (Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2023), das ich allen nur empfehlen kann [4]. Ich habe den Text kürzlich in einer Rezension besprochen.

Wir sehen hier ein komplett neues Machtdispositiv am Werk. Wer übt diese Macht aus? Natürlich, vordergründig die Parlamente, die der Exekutive über Notfallverordnungen die Macht gegeben haben. Aber, wie andere Beiträge in dem eben genannten Werk analysieren, das ist nur die politische Folie. Eigentlich sind es die Medien gewesen, die die Politik vor sich hertrieben und mit ihrer unverantwortlichen und in weiten Teilen sachlich falschen Informationspolitik diese Krise erst herbeigezaubert haben. Das wird bravourös und sprachlich genial in dem Beitrag von Heimo Schwilk („Angst und Auflage – Deutsche Medien im Panikmodus“) dargelegt; ebenfalls in dem oben erwähnten Buch publiziert. Schwilk, seines Zeichens Journalist und Autor – ehemaliger Redakteur beim Rheinischen Merkur und später bei der Welt am Sonntag – kennt das Metier. Er zeigt, wie Medien funktionieren, vor allem, dass sie komplett im kontrollfreien politischen Raum operieren. Nur der Markt bestimmt, was sie sich leisten können, und die einzige Aufsicht der öffentlich-rechtlichen Medien ist letztlich veröffentlichte Meinung der politischen Korrektheit, also wiederum sie selber.

Die Pestwelle war eine veritable Todeswelle. Die Coronawelle war eine Medienwelle, die durch gemeinschaftliches Pusten so hoch wurde, dass sich ihr kaum mehr entziehen konnte, der „dazugehören“ wollte. Und welcher Mensch will das nicht, außer ein paar Verrückte und Renitente?

Die Herrschaft von Eliten

Gleichzeitig zeigt sich hier die Entmachtung der konventionell und verfassungsmäßig definierten Macht, was einer Aufhebung der Verfassung im Notfall gleichkommt. Das gab es zuletzt bei den Reichsermächtigungsgesetzen der Nazis, die Hitler und seiner Clique die absolute Macht in die Hand gab. Derselbe Mechanismus hat hier zugeschlagen: Um eine vermeintlich große Gefahr abzuwehren, entmachtete sich das Parlament selbst, übergab die Handlungsgewalt und die Verantwortung der Exekutive. Und diese holte sich die Inspiration und die Vorgaben, wie gehandelt werden sollte, ja, wo eigentlich? Bei einer kleinen Clique handverlesener und regierungsabhängiger – weil dazugehören wollender – Wissenschaftler und Spezialisten. Und wer die waren, bestimmten einige wenige auf undurchsichtigen Kanälen, und natürlich die Medien, indem sie manchen Leuten Dauerpräsenz in Talkshows und Nachrichtensendungen vermittelten. Die anderen waren „Schwurbler“, „Leugner“, „Verschwörungstheoretiker“, „Rechtsradikale“, „Geschmeiß“ und wie die verbalen Ausrutscher alle lauteten.

Übrigens haben die Herausgeber des genannten Buches vor Kurzem in Leipzig eine Disputation abgehalten, auf der die Schauspielerin Philine Conrad eine bemerkenswerte Einführungsrede hielt, in der sie diese Sprachverirrungen benennt. Sehr zu empfehlen.

Ich habe damals, im Mai 2020 zusammen mit Prof. Hockertz, allen Staatssekretären im Gesundheitsministerium und im Innenministerium in einem kurzen Schreiben (auf Papier, mit Briefmarke, von Hand unterschrieben) unsere Expertise angeboten. Nur einer hat geantwortet. Und hat gesagt: Danke, braucht er nicht.

Wer also hat bestimmt, wie die Exekutive handelt? Eine ganz kleine Clique von mehr oder weniger selbst ernannten Fachleuten. Nicht demokratisch legitimiert. Nur in Grenzen wissenschaftlich legitimiert (so war etwa ein Hauptautor des berühmten Panikpapiers ein ewiger Doktorand. Wie er dazu kam, so etwas für die Regierung zu schreiben, wissen vermutlich nicht mal die Götter). Und fachlich einseitig ausgewählt.

Hier regierte also de facto eine mehr oder weniger selbst ernannte Elite. Von der Presse – ebenfalls eine selbst-ernannte Elite – gelobt und gesteuert. Eliten, die sich selber lenken und erzeugen. Ein postmodernes Beispiel für eine creatio continua (andauernde Schöpfung) ex nihilo (aus dem Nichts). Die Säkularisierung, gewissermaßen, der scholastischen Theologie perfektioniert.

Und wer definierte diesen Gang der Dinge? Jetzt wird es richtig interessant, denn hier scheiden sich die Geister. Manche sagen: der Zufall. Manche sagen: die Selbstorganisationskräfte komplexer Systeme [5]. Manche sagen: andere Eliten. Nämlich die, die die Presse, zumindest teilweise mitfinanzieren, die durch multiple Vernetzungen in großen Netzwerken von elitären Kreisen sagen, wo der Bartel den Most holt oder die Musik spielt [6]. Manche sagen: die Eliten, die finanzielle Interessen haben.

Eigentlich ist es für den Gang meiner Argumentation egal. Was wir als Zwischenfazit festhalten können, ist: Die Corona-Krise markiert einen entscheidenden politisch-kulturellen Übergang zu einer pseudodemokratischen Verfasstheit, in der mehr oder weniger ungeniert und offensichtlich eine neue Form der Herrschaft etabliert wurde, die Herrschaft von Eliten. Die Griechen nannten das Oligarchie. Die Herrschaft von wenigen, die immer mehr oder weniger willkürlich ist.

Die Pest des 14. Jahrhunderts markierte den Anfang vom Ende der feudalen Herrschaftssysteme, jedenfalls der bergenden Form des Feudalismus, in dem jeder seine Ordnung und seinen Platz hatte. Es dauerte bis zur Französischen Revolution und eigentlich bis zum Ersten Weltkrieg, bis diese Herrschaftsform ein für allemal vorüber war, also nochmals etwa 550 Jahre.

Der Feudalismus war eine offene Form der Herrschaft von Eliten, einer Oligarchie. Diese Eliten waren legitimiert durch Geburt, Herkunft und dadurch sekundär auch durch Ausbildung und Können, sowie durch religiöse Ideologien.

Aber letztlich hat die Oligarchie, die Herrschaft der Eliten, nie aufgehört. In der nachfeudalistischen Zeit haben sich alle möglichen Gruppierungen als Eliten inszeniert. Auch in den USA, so kann man argumentieren, sind es die alten Eliten des Geldadels, die das Sagen haben und hinter den Kulissen die Stränge ziehen, bei aller republikanisch-demokratischen Verfasstheit [7, 8]. Ich kann mich noch gut an eine Begegnung mit Lord Richmond während meiner Zeit in England erinnern, in dessen Landsitz in Chichester. Er ist ein Mitglied der englischen Hocharistokratie und hat immensen Grundbesitz im Süden Englands und im Westen Londons. Er sagte mir damals, dass die alte englische Adelselite immer noch sagt, wo es lang geht.

Die Corona-Krise des Jahres 2020 markiert den sichtbaren Übergang zu weltweiten Oligarchien. Möglicherweise waren ja auch schon bei uns die Jahre davor von Eliten bestimmt, wie manche meinen [9-13]. Aber in der Corona-Krise wird es augenfällig.

Während Europa nach der Pest des 14. Jahrhunderts aufblühte – die Renaissance wurde geboren, Seefahrer entdeckten neue Handelsrouten, der städtische Bürgerstand erwuchs zu neuem Einfluss -, scheint die Corona-Krise zumindest unmittelbar eher weitere Krisen anzukündigen. Wir kommen aus dem Krisenmodus gar nicht mehr heraus, Klima-, Ukraine-, Flüchtlings-, Energie- und sonstwas-Krisen beuteln unsere westlichen Länder.

Auf dem Weg in eine faschistoide Zukunft?

An dieser Stelle möchte ich auf einen wichtigen neuen Aufsatz hinweisen. Geschrieben hat ihn David Bell vom Brownstone-Institute. Das Institut fiel mir während der Corona-Krise auf als ein Ort, an dem Denker, Wissenschaftler, Politiker, Wirtschaftler, die das offizielle Narrativ der Corona-Krise kritisch sahen, zusammenkamen.

Der Aufsatz „Pandemic Preparedness and the Road to International Fascism“ erschien soeben im „American Journal of Economics and Sociology“ [14]. Er zeichnet den Weg der WHO von einer Organisation, mit der sich die westlichen Länder mit Kolonialbesitz die Krankheiten ihrer Kolonien vom Leib halten wollten, bis hin zu der egalitären internationalen Vereinigung der Nachkriegsjahre ab 1946. Ab 2000 ändert sich die Situation. Bell zeigt das an ein paar Dokumenten und Beispielen. Diese Änderung geht einher mit dem zunehmenden Einfluss von privaten Sponsoren auf die WHO. Zunächst tritt der Wellcome Trust auf, später vor allem die Bill-and-Melinda-Gates-Foundation (BMGF), aber auch andere. All diese Stiftungen nehmen auf unterschiedliche Weise Einfluss, weil sie auf sehr verschlungenen Wegen die WHO unterstützen. Die BMGF zum Beispiel, indem sie die Impfallianz GAVI finanziert, die wiederum zu den Sponsoren der WHO gehört und die WHO auch direkt mitfinanziert, oder die Coalition for Epidemic Preparedness Innovation (CEPI), die auf dem World-Economic-Forum Treffen 2017 gegründet wurde. Andere unterstützen zentrale Institutionen wie die Bloomberg School of Public Health an der Johns Hopkins Universität u.a. Absolventen dieser Institutionen kommen dann in die internationalen Organisationen, arbeiten in Funktionen in Afrika und Asien und tragen das Gedankengut ihrer Sponsoren und Unterstützer weiter.

Und was geschieht? Die privaten Sponsoren erreichen es, dass über Private-Public-Partnerships ihre Ideen immer zentraleren Einfluss erhalten. Wenn eine Stiftung eine Abteilung bei der WHO sponsert, wird diese bemüht sein, den Willen des Stifters zu vollziehen, meint Bell. Denn die Leute wollen ihren Job behalten, ihre Mitarbeiter, ihre Pfründen.

Das Ergebnis sahen wir bereits in Aktion. Die Arbeitsgruppen, die die Covid-19 Horrorszenarien und später die Modellierungen zur Bestätigung des offiziellen Narratives lieferten, die Arbeitsgruppe von Ferguson am Imperial College [15, 16], sie waren und sind von der BMGF gefördert. Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing …

Die WHO hat in der Zwischenzeit die Pandemie-Definition geändert. Mittlerweile müssen keine exorbitant hohen Zahlen von Toten mehr auftreten, allein die Ansteckungsgefahr, das Auftreten neuer Varianten reicht. Daher war es möglich, dass der Generalsektretär der WHO, übrigens entgegen dem Rat seines Beratungsgremiums, die Affenpocken zu einer Pandemie ausrief. Daher wird davon auszugehen sein, dass dies in Zukunft öfter passiert.

Der Generalsekretär der WHO? Eine Exekutivpuppe in der Hand seines Expertengremiums, und letztlich in der Hand derer, die ihn finanzieren. Wir sehen den gleichen Mechanismus am Werk, den ich oben beschrieben habe: Die Macht ist in die Hände einer kleinen Elite gewandert. Oligarchie. Denn all diese Gremien haben kaum demokratische Legitimation und sind letztlich niemandem verantwortlich, sieht man einmal von den ursprünglichen Wahlen in der World Health Assembly ab.

Wenn die neuen Pandemieverträge im nächsten Mai gebilligt werden, dann droht uns in der Tat ein Gesundheitsfaschismus, der vermutlich nur eine Facette eines globalen Faschismus sein wird. Dieser wird dann offenlegen, was im Verborgenen seit einigen Jahren passiert: Dass nämlich eine Elite von superreichen und höchst einflussreichen Personen unter dem Deckmantel der Philanthropie und des Gutmenschentums der Welt ihre Version dessen aufprägen wollen, wie gutes Leben, Gesundheit und Wohlfahrt auszusehen hat.

Unsere Parlamentarier haben diese Entwicklung in einer beispiellosen politischen Selbstmarginalisierung abgenickt. Daher ist es folgerichtig, dass Uwe Kranz, ein ehemaliger Leiter eines Landeskriminalamtes Strafantrag gegen die ganze Regierung wegen Hochverrates gestellt hat. Ich glaube, er meint es durchaus ernst. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Klage von irgendeinem Staatsanwalt auch nur mit spitzen Fingern aufgegriffen werden wird, egal wie begründet sie sein mag. Denn auch Staatsanwälte wollen ihren Job behalten oder weiterkommen. Und ihr Vorgesetzter ist der Justizminister. Des Landes, oder des Bundes. Und der Vorgesetzte des Justizministers? Ist exakt der, dem Hochverrat vorgeworfen wird: der Bundeskanzler. Womit sich die vermeintliche Unabhängigkeitskatze in den eigenen Schwanz beißt, genauer gesagt, es eher nicht tun wird. Und so wird die Herrschaft der Eliten weitergehen.

War da nicht was? War dieser Scholz nicht wegen einer Bankgeschichte von so einer Hamburger Bank, die irgendwelchen reichen Leuten gehört, in die Schlagzeilen geraten und hatte gerade noch rechtzeitig die Milch des Vergessens getrunken? Hatte nicht schon vorher Merkel Bill Gates für sein Engagement gedankt und mit ihm gemeinsam den Antimicrobial Resistance Hub, eine Forschungs- und Entwicklungsplattform, mit der u.a. auch mRNA-„Impfstoffe“ entwickelt werden, ins Leben gerufen? Und ihn in der englischen Version ihrer Rede „my friend“ genannt? Ein wunderbares Beispiel für Public-Private-Partnership. Und war es diese freundschaftliche Beziehung, die es Gates ermöglicht hat, am Ostersonntag 2020, als noch niemand irgendetwas von einem Impfstoff gegen SARS-CoV-2 wusste, 7 Minuten lang in den deutschen TV-Nachrichten sein Evangelium von der befreienden Wirkung der Impfung aller Menschen zu verkünden?

Wir können uns nur nach Kräften gegen eine solche Entwicklung wehren, z.B. durch die Mitmachaktion des Ärzteverbandes Hippokratischer Eid gegen den Pandemievertrag der WHO. Bell ist skeptisch, ob diese Entwicklung noch zu bremsen ist. Früher, sagt er, war es möglich, faschistische Regimes durch Gewalt zu beenden. Was aber, wenn dieser Faschismus endemisch wird, überall ist, durch stilles Schweigen, ja gar Zustimmung der Mehrheit zum Standard wird?

Dann können wir nur darauf vertrauen, dass die egalitäre Struktur der WHO, bei der jedes Land eine Stimme hat, dazu führen wird, dass die Länder, die noch nicht im Griff der Eliten sind, kleine Länder Afrikas, Asiens, Südamerikas ihren Verstand und ihre natürliche Aversion gegen Kolonialismus zusammennehmen und die Pandemieverträge nächsten Mai ablehnen. Wenn dann Afrika, die einstige Kolonie Europas, die alten Demokratien der ehemaligen Kolonialmächte vor ihren eigenen Eliten gerettet haben wird, dann wissen wir, dass dieser Faschismus in der Tat gerade noch einmal abgewendet werden konnte. Wenn dann die Eliten unserer Presse das Lamento vom undankbaren Afrika anstimmen werden, das nicht vor all den bösen Epidemien bewahrt werden will, dann wissen wir, dass der Oligarchie vorläufig ein Riegel vorgeschoben worden ist. Vielleicht erwachen wir dann. Zu einer echten Demokratie. Das wäre meine Hoffnung.

Quellen und Literatur

  1. Leppin V. Wilhelm von Ockham: Gelehrter, Streiter, Bettelmönch [William of Ockham: Scholar, Figher, Mendicant]. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft; 2003.
  2. Walach H. Psychologie: Wissenschaftstheorie, philosophische Grundlagen und Geschichte. 5. überarb. Aufl. ed. Stuttgart: Kohlhammer; 2020, orig. 2005.
  3. Day SJ. Intuitive Cognition. A Key to the Significance of the Late Scholastics. St.Bonaventure, N. Y.: Franciscan Institute Publications. Philosophy Series 4; 1947.
  4. Seidel TA, Kleinschmidt S-, editors. Angst, Politik, Zivilcourage: Rückschau auf die Corona-Krise. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt; 2023.
  5. Desmet M. The Psychology of Totalitarianism. London & White River Junction VT: Chelso Green; 2022.
  6. Klement RJ, Walach H. Is the Network of World Economic Forum Young Global Leaders Associated With COVID-19 Non-Pharmaceutical Intervention Severity? Cureus. 2022;14(10):e29990. doi: https://doi.org/10.7759/cureus.29990
  7. Quigley C. The Anglo-American Establishment. From Rhodes to Cliveden. New York: Books in Focus; 1981.
  8. Wood EM. Democracy as ideology of empire. In: Mooers C, editor. The New Imperialists: Ideologies of Empire. Oxford: One World Publisher; 2006. p. 9-23.
  9. Rügemer W. Blackrock und Co enteignen. Frankfurt: Nomen; 2021.
  10. Müller A. Die Revolution ist fällig. Aber sie ist verboten. Frankfurt: Westend; 2020.
  11. Garsten C, Sörbom A. His Master´s Voice?: Conceptualizing the Relationship Between Business and the World Economic Forum. Journal of Business Anthropology. 2019;8(1):41-62. doi: https://doi.org/10.22439/jba.v8i1.5715. PubMed PMID: edsswe.oai.DiVA.org.uu.453129.
  12. Berger J. Wem gehört Deutschland. Die wahren Machthaber und das Märchen vom Volksvermögen. München: Piper; 2015.
  13. Mausfeld R. Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Demokratie und unsere Lebensgrundlagen zerstören. Frankfurt: Westend Verlag; 2018.
  14. Bell D. Pandemic preparedness and the road to international fascism. The American Journal of Economics and Sociology. 2023;n/a(n/a). doi: https://doi.org/10.1111/ajes.12531.
  15. Flaxman S, Mishra S, Gandy A, Unwin HJT, Mellan TA, Coupland H, et al. Estimating the effects of non-pharmaceutical interventions on COVID-19 in Europe. Nature. 2020. doi: https://doi.org/10.1038/s41586-020-2405-7.
  16. Ferguson N, Laydon D, Nedjati Gilani G, Imai N, Ainslie K, Baguelin M, et al. Impact of non-pharmaceutical interventions (NPIs) to reduce COVID19 mortality and healthcare demand. London: Imperial College, 2020.