Das Christentum ist eine Erfahrungsreligion

Religionswissenschaftler ordnen das Christentum, zusammen mit Islam und Judentum, den Buch- oder Offenbarungsreligionen zu. Damit meinen sie: diese Religionen stützen sich auf Offenbarungen, die angeblich von Gott stammen und in heiligen Büchern von Propheten oder Religionsgründern niedergeschrieben sind. An diese Offenbarungen muss man „glauben“, damit man zum Heil kommt oder dazugehört. Ich halte das für eine Verkennung der Tatsachen. Christentum ist eine Erfahrungsreligion (wie im Übrigen vermutlich auch die anderen beiden Religionen, zumindest im Kern und im Ursprung; aber da ich sie zu wenig kenne, will ich mich dazu nicht äußern). Sie beruht auf – inneren und äußeren – Erfahrungen der Gründer des Christentums und all jener, die zu seiner Verbreitung und Veränderung, seiner Gestaltung und Auswirkung beigetragen haben.

Karl Rahner hat dies klar gesehen und prophezeit, dass der Christ der Zukunft ein Mystiker sein werde oder gar nicht mehr existieren würde. Dies zeigt uns die Brücke: Mystiker sind Menschen, die über ihre innere Erfahrung Zugang zu einer Wirklichkeit erlangen, die vor unser aller Augen liegt, die aber den meisten nicht auffällt, weil sie zu sehr mit sich selber oder mit irgendwelchen Ideen beschäftigt sind. Diese Erfahrung interpretieren sie dann – notgedrungen, denn wir können nicht umhin, unsere Erfahrungen zu interpretieren – und zwar meistens im Rahmen der Bilder und Motive, die sie aus ihrer Kultur, Erziehung und Zeit her kennen. Wenn Rahner meint, der Christ der Zukunft – also alle Christen – müssten Mystiker werden, so meint er damit: Christen müssen, wenn sie in einer zukünftigen Welt Bestand haben wollen, ihre Religion von innen her, also durch eigene Erfahrung nachvollziehen. Oder anders ausgedrückt: Sie müssen sich selber um innere Erfahrung bemühen oder sich ihr öffnen, damit sie ihre Religion besser verstehen und sie von innen heraus beleben können.

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Initiative: Manifesto for a Post-Materialist Science

Das „Manifest für eine postmaterialistische Wissenschaft“ hab ich auch gezeichnet. We are a group of internationally known scientists, from a variety of scientific fields (biology, neuroscience, psychology, medicine, psychiatry), who participated in an international summit on post-materialist science, spirituality and society. The summit was co-organized by Gary E. Schwartz, PhD and Mario Beauregard, PhD, the … Weiterlesen

Gesundheit – Ordnung – Krankheit – Chaos: Muster in Medizin und Heilkunde

Hier ein Veranstaltungshinweis in eigener Sache: am Samstag, 5. März 2016 findet im DAI Heidelberg, Haus der Kultur eine Veranstaltung unter dem Titel „Sinn des Lebens“ statt. Das gesamte Programm finden Sie hier: http://dai-heidelberg.de/de/veranstaltungen/sinn-des-lebens-5-12640/ Um 11:30 Uhr referiere ich zum Thema „Gesundheit – Ordnung – Krankheit – Chaos: Muster in Medizin und Heilkunde“ „Wenn die … Weiterlesen

Selbstheilung – die Medizin denkt um

Unser Organismus ist in der Lage, alle Prozesse bereitzustellen, die er braucht, um sich gesund zu erhalten und um zu genesen, wenn er krank geworden ist. Dabei sprechen wir von Selbstheilung. Therapeutische Interventionen sollten das Ziel haben, diese naturgegebene Fähigkeit zu unterstützen, zu fördern und klug zu nutzen.

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Hat Spiritualität etwas in der Medizin zu suchen?

Einige Gedanken anlässlich einer Tagung in Wien – und ein bisschen Ketzerei angesichts grassierender Fundamentalismen

Spiritualität war als Thema innerhalb der Wissenschaft lange Zeit komplett tabu und ist es in weiten Bereichen immer noch. Das hat viele Gründe, drei davon will ich kurz anreißen und einige Gedanken zu den Konsequenzen und zu unserer jetzigen Situation anschließen.

Unsere Wissenschaft hat seit den Zeiten Galileis und anderer großer Geister im 16. und 17. Jahrhundert sehr große Fortschritte im Verständnis der Natur gebracht und sich dadurch oder sozusagen en route auch gegen ein dogmatisch von kirchlichen Behörden vorgegebenes religiöses Weltverständnis gewandt. Insofern war Wissenschaft ein großer Motor der Aufklärung und ein aufklärerisches Verständnis der Wissenschaft ist auch heute noch für viele synonym mit Antidogmatismus und antireligiösem Sentiment. Wissenschaftliche und dogmatische Konzepte davon wie die Welt funktioniert vertragen sich schlecht.

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