Corona-Stammtisch 8 – Staatskanzlei




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Du, des musst Dir anhören. Gestern war ich in der Staatskanzlei in München. Mir bauen ja dort dem Söder seine Einbauschränk im großen Lagebesprechungsraum. Der Reiser Schorsch is ja dem Söder sein Haus und Hof-Schreiner und weil ihm des mit die Schränk zu kompliziert war, hat er also mich g‘holt und so ham mir zu zweit da gwerkelt. Und d’Elektrik hammer schön verstaut hinter die Wänd und so. Druckt der Reiser Schorsch auf an Knopf und, zack, hörst an Söder im andern Zimmer schwafeln. Auwe, hab i mir denkt, des is ja glatt a Abhör-Anlag, du, damit’s da im Lagebesprechungsraum hören können, was im andern Zimmer nebendran g’sagt wird. Weil man ja jetzt mit dem ganzen Corona-Zeugs nimmer einfach so z’samm sitzen kann. Druck’mer also auf’n Schalter, und, zack, Söder Markus wie er leibt und lebt. Du, und ich denk, ich hör nicht recht. Sagt der da:

„Die Krise kommt uns jetzt grad recht. Jetzt ziehen endlich alle an einem Strang. Alle haben eine große Angst und das ist gut so. Denn jetzt können mir endlich ein paar Projekte durchziehen. Wir machen jetzt voran mit elektronische Bürgerausweise. Wenn der Bund sich sträubt mit elektronischem Personalausweis, wo alle medizinischen Daten drauf gespeichert sind mit dene depperten Datenbeauftragten, dann machen mir unseren eigenen. Freistaat-Bayern-Bürger-Pass. Wenn der aufklappt wird, dann spielt er die Bayern-Hymne als erstes, a mal so zwei Takte ‚Gott mit Dir Du Land der Bayern….‘ und wenn D’ihn zuklappst, spielt der die letzten drei Takte ‚… Deines Himmels weiß und blau.“ Und da können mir dann alle wichtigen Informationen drauf speichern: wer gegen Corona immun ist, weil er’s schon g’habt hat. Wer geimpft ist, wenn es mal eine Impfung gibt. Wer weder immun ist noch geimpft, weil er immunologisch zu blöd ist. Wer Geld hat und wer kein’s hat. Wer wichtig ist und wer nicht. Wer CSU wählt und wer den Feind wählt. Des könnt mer nämlich bei der nächsten Wahl mit einer Funkschleife am Wahlzettel koppeln und zack, hammer alle Informationen. Und damit des alle gern nehmen, schenk mer ihnen einen öffentlichen Nahverkehrspass für ein Jahr, der da drauf ist. Dann müssen’s den Pass dann an Kontrollstellen, vor der Münchener S-Bahn, vor den Regionalzügen auf den Bahnhöfen, hinhalten, wenn’s fahren wollen, und, zack, hammer das Bewegungsprofil. Dann können mir immer und jederzeit sagen, wo unsere immunen und unsere Knallkörper-Bayern unterwegs sind. Dumm wird’s bloss, wenn’s die Landesgrenze überschreiten, z.B. nach Österreich fahren. Aber des krieg mer mit dem Kurzi schon hin, dass der ein System einführt, das mit unserem kompatibel ist und die Südtiroler beschwätz ich auch noch und dann hammer eigentlich den 90%igen Radius aller Bayern abgedeckt, weil nach Preussen fahren die sowieso selten. Allenfalls könnt mer die Schnellbahnstrecke München-Berlin noch auf’n Pass tun, dann wissmer, wenn’s nach Nürnberg oder Bamberg fahren oder gar nach Berlin und ham dann einen unendlichen Trumpf gegen die Merkel in der Hand: dann wissen nämlich nur wir, nicht der Bund, wann die Seuchengefahr der Hauptstadt naht. Und was für ein Druckmittel das wär: Entweder Du gibst mir meinen Posten für’n, sagmer mal Schirmer Michi als Staatsekretär im Inneren, oder ich lass die Immunitätstorpedos auf Berlin los.“

Ja, Du, des hat der wirklich g’sagt, ich hab denkt ich hör nicht recht. Ich wollt schon was sagen, aber dann hat er weiter g’macht. Naja, ich find es ja keine schlechte Idee, so freie Fahrt für freie Bürger in der freien Bahn im freien Bayernland. Aber des wär ja auch nicht der Sinn der Übung oder, dass der Söder weiss, wo mir unterwegs sind. Aber jetzt horch, dann ist es weitergangen.

Sagt er, „Und den Bayern-Pass, den koppeln wir mit einer kostenlosen Kreditkarte. Ohne Jahresgebühr, ausgestellt von der Bayrischen Landesbank. Und jeder, der was damit zahlt, der kriegt einen Punkt auf sein Konto für jeden Euro. Und die Punkte können’s dann einlösen bei bestimmte G’schäfte, beim Dallmayr zum Beispiel, oder wenn’s an BMW kaufen, nein, natürlich nicht für an Benz, aber BMW und Audi, klar. Oder wenn’s mit der Zugspitzbahn fahren oder in die Bayrischen Schlösser wollen, oder in Märchenwald. Evtl. könnt mer auch mit die Andechser Benediktiner an Deal drehen, dass sie dann aufm Andechser Berg des Bier damit zahlen können und wenn sie g’nug Punkte ham a Freibier kriegen, Ammerseeschifffahrt, Chiemsee-Schloss, evtl. a kostenloses Beichtgespräch auf Frauenchiemsee mit anschließendem freien Grillhenderl, des kann dann der Erzbischof zahlen, da setz mer den Wollkopf Berni dran, der soll sich da was ausdenken, der hat eh nix zu tun als Staatsekretär für Wirtschaftsentwicklung, weil jetzt alles stillsteht. Der denkt sich dann a paar Schmankerl aus und wir haben das beste Instrument der Kontrolle aller Zeiten. Wir wissen wo die Leut sind, wir wissen wo die gefährdeten und die gefährlichen Leut sind, da brauchst doch gar kein Handyappzeugs. Des durchschauen ja die Datenfritzen schnell. Aber des, des is doch eine raffinierte Idee, oder? Und wie hübsch des klingelt, immer wenn’s auf und zu machen die Bayern-Hymne überall, des hat dann noch so einen patriotischen Zusammenhalteffekt. Und die Kaufprofile verwenden wir für gezielte Werbung. Da baumer unseren eigenen Gugler in Garching und machen an Haufen Geld.“

„Und weil die Leut dann vor allem mit ihre Karterl zahlen, ham mir einen prima Überblick über die Kaufleistung, die Vorlieben der Leut und können des dann auch verwenden um in der Zukunft die Probleme bei einer neuen Pandemie sofort in den Griff zu kriegen. Stichwort Taiwan. Die ham’s aso gemacht und waren erfolgreich. Wird uns keiner abstreiten können. Und dann wer mer sehen: der Bayernpass, die Rettung vor der Pandemie und vor der zweiten, dritten und vierten Welle. Während’s die depperten Berliner und Rheinländer reihenweis hinwegraffen wird, werden mir Bayern einfach lächelnd daneben stehen. Was der König Max net g’schafft hat, die Preussen zu besiegen, mir mit unserm Bayernpass kriegen des leicht hin. Zwei Jahr hammer noch Zeit, da kommen noch zwei Wellen Corona mindestens. Des reicht. Dann ist die Merkel durch, der Spahn hat sich seine Hörner abg’toßen mit einem völlig chaotischen Impfprogramm, der Laschet kriegt’s Virus und der Merz wandert aus. Und wer ist der logische einzige und letzte Kandidat? Klar, der Söder Markus, Sakrament.“

Ja, hat der wirklich g’sagt. Aber Du, da ist mir der Kragen platzt, und ich sag so in dem Schrank ins Mikrofon: ‚Hier spricht Gott. Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen. Du sollst kein falsches Zeugnis geben. Du sollst nicht begehren die Kuh, die Frau und die Kanzlei deines Nachbarn. Markus, Markus, du wurdest gewogen und für zu leicht befunden.‘

Du, schad, dass ich keine Kamera g’habt hat. Aber der Wollkopf Berni, der bei der Sitzung dabei war hat‘s mir nachher erzählt. Zerscht is der Söder bleich wor’n wie a Kalkgruben. Dann sind ihm die Schweissperlen auf die Stirn treten, dann is er knallrot g’worden und hat brüllt: Kruzifix, welcher Depp hat denn des Mikrofon eingschalten lassen. Sie, Herr Ministerpräsident, hat der Berni g’sagt. Ich, derweil raus aus’m Schrank, hol die Stichsäg aus’m Kasten, schließ sie an und säg. Kommt der Söder ins Zimmer g’stürmt, brüllt: Wo is der Kerl, der da in meine Besprechung g’funkt hat? Sag ich: Wen meinen’s denn, Herr Ministerpräsident. Schreit er: ja der, der den lieben Gott g’spielt hat. Sag ich: Aber da gibt’s ja ausser Ihnen sonst keinen. Brüllt er: Ja willst mich denn verarschen? Weisst was ich g’sagt hab? Kann ich schon machen, wenn’s wollen, Herr Ministerpräsident. Des kost aber extra. Du, dem ist der Kinnladen runterg’fallen. Abgrauscht is er, und weg war er.