Peter Gøtzsches Psychiatriekritik: Tödliche Psychopharmaka

Portrait Prof. Harald Walach


Vor einiger Zeit habe ich Peter Gøtzsches Buch „Deadly Medicine“ ausführlich besprochen, das es seit geraumer Zeit auch auf Deutsch gibt. Darin hatte Peter Gøtzsche, der Leiter des Nordischen Cochrane Centers in Kopenhagen, den Grundgedanken ausgebreitet, dass die Pharmaindustrie sich verhält wie die Mafia, nur dass sie mit den Nebenwirkungen ihrer Medikamente mehr Menschen tötet als die Mafia.

Sein neues Buch, „Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen“ nimmt nun vor allem Psychopharmaka unter die Lupe und belegt an einer Fülle von Literaturzitaten, dass es um die Wirksamkeit der Psychopharmaka weniger gut bestellt ist, als man gemeinhin glaubt.

Er ist keinesfalls der Meinung, dass sie völlig wirkungslos seien. Sondern vielmehr: dass sie so komplex zu handhaben sind, dass sie, ähnlich wie Krebsmedikamente, in die Hand weniger Spezialisten gehören, die damit umgehen können. Dass sie für spezielle, akute Fälle reserviert sein sollten und keinesfalls, wie uns die allgemeine Meinung glauben machen will, zur Allerweltsversorgung von Stimmungstiefs, sexuellen Appetenzstörungen, Angstproblemen und Lebenskrisen.

Gøtzsche hat damals auf unsere Einladung hin bei einem Symposion in Berlin seine Ideen vorgetragen. Den Vortrag kann man auf unserer Videodokumentation verfolgen. Ich habe sein neues Buch in einer ausführlichen, deutschsprachigen Besprechung gewürdigt, die vor kurzem in der Zeitschrift „Verhaltenstherapie“ erschienen ist und dort frei verfügbar ist (https://www.karger.com/Article/Abstract/484548; man muss den PDF-Tab anklicken und ein paar Seiten im PDF weiterblättern, weil alle Buchbesprechungen in einem Titel zusammengestellt sind).

Ich finde es ein enorm wichtiges Buch, das ich allen im Gesundheitswesen Tätigen und allen, die in irgendeiner Form mit Psychopharmaka zu tun haben, wärmstens ans Herz lege.

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