Mausetot durch Homöopathie!? Edzard Ernst und der große Killer „Nix“

Portrait Prof. Harald Walach
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Edzard Ernst gilt als der weltweit erste Professor für Komplementär- und Alternativmedizin. Auf jeden Fall ist er der Erste, der mehr systematische Überblicksarbeiten geschrieben hat, als ein durchschnittlicher Wissenschaftler in seiner Laufbahn je lesen wird. Ob er sie nur geschrieben, oder auch gelesen hat, darüber sind sich nicht alle Fachleute einig, aber publiziert hat er jedenfalls ganz viele. Ob sie genuin sind, also nicht einfach Klone mit ein und der gleichen genetischen Matrix, daran ist schon sehr ernsthaft gezweifelt worden (1).

Jawohl. Sie haben richtig gehört: richtige tödliche Nebenwirkungen hat sie, die Homöopathie. (Sagt Edzard Ernst)

Jetzt hat er, genauer vielleicht seine Fellows oder Doktoranden, wieder so einen Review geschrieben, nämlich darüber, wie schlimm die Homöopathie ist. Sie bringe nämlich Leute um (2). Jawohl. Sie haben richtig gehört: richtige tödliche Nebenwirkungen hat sie, die Homöopathie. Es ist zwar nix drin in ihr. Aber in der Postmoderne kann man auch mit Nix Leute umbringen. Man braucht nur ausreichend viel Nix zu geben. Oder statt etwas tun, nix tun, Nix C1000 wäre ja tausend mal nix zu tun. Oder Nix 10M wäre 10.000 mal nix zu tun, also richtig viel nix tun, ist ja dann so, als hätte man nicht nur nix, sondern rein gar nix getan, und daran sterben die Leute, oder so.

Aber jetzt mal Spass beiseite: Prof. Ernst und seine Kollegen, die ja bekanntlich eigentlich der Meinung sind, dass in der Homöopathie nix drin sei, haben sich an die Arbeit gemacht und die Literatur durchforstet und geguckt, wie schlimm krank man von Nix werden kann. Und sie sind zur Auffassung gelangt: man kann an Nix sterben. Wissenschaftlich heisst das dann: tödliche Nebenwirkungen. Jetzt im Ernst, wirklich. Steht so in dem Aufsatz. Und zwar nicht nur, weil die doofen Patienten nix machen, anstatt was Anständiges, sondern weil sogar Nix richtig gefährlich ist. Dafür haben sie einen Fall herbeizitiert, bei dem hat ein Homöopath gleich zweimal zugeschlagen mit Nix C1000, genauer gesagt es war Rhus toxicodendron C1000 (2). Und dann hat der Mensch eine Herzkrankheit gekriegt, und weil das nicht gereicht hat, auch gleich noch ein Blasenkarzinom, und das alles ist mit Sicherheit, so liest man, kausal auf die Homöopathie zurückzuführen.

Und sie sind zur Auffassung gelangt: man kann an Nix sterben. Wissenschaftlich heisst das dann: tödliche Nebenwirkungen.

Verstehe ich das richtig: Homöopathie, also Nix, in tausendfacher Potenz, Nix hoch tausend, soll Herzkrankheit und Blasenkarzinom machen, obwohl nix drin ist, und die ganze Homöopathie daher zu nix zu gebrauchen ist?! Als ich das gelesen habe, dachte ich: da ist nix dran. Ich habe mir also von einem Kollegen die Arbeit besorgt und mal nachgesehen (3).

Da sieht das dann allerdings so aus: die Herzkrankheit, die war schon da. Sie wurde mit Rhus tox. C1000 geheilt, also mit tausenfachem Nix. Und die ganze Fallgeschichte dreht sich um die Frage und die recht anschauliche Darstellung, wie ein sog. Hauptsymptom von Rhus tox., nämlich Besserung durch Bewegung, sich durch alle Aspekte des Falles zieht.

So ganz nebenbei wurde dann noch eine anti-epileptische Arznei unnötig und drum abgesetzt. Das haben die Autoren sicher übersehen. Drum haben sie geschrieben, konventionelle Arzneien seien nicht angegeben gewesen. Nach sieben Jahren, in denen sich der Mann anscheinend guter Gesundheit erfreut hatte, kam er wieder. Diesmal mit Blasenkrebs. Das fand ich jetzt echt rührend, wie die Autoren es dem puren, nein, dem tausendfachen Nix zutrauen, auch noch nach 7 Jahren einen Blasenkrebs zu erzeugen: das sei kausal eindeutig zuzuweisen, so steht es nämlich in dem Review.

Das tausendfache Nix könne auch noch nach 7 Jahren einen Blasenkrebs erzeugen, das sei kausal eindeutig zuzuweisen, so steht es in dem Review von Edzard Ernst.

Und dann? Der behandelnde Homöopath, Alfons Geukens, ein bekannter belgischer Lehrer, probiert kurz zwei homöopathische Arzneien aus, und als sie nichts fruchten schickt er den Patienten zum Urologen, den er aus langjähriger Zusammenarbeit kennt. Der bestrahlt – und heilt den Patienten damit vom Krebs. Die Restsymptomatik bringt Geukens mit einem sehr seltenen homöopathischen Heilmittel, Gambogia, unter Kontrolle, weil der Patient kurioserweise eine sehr eigenartige Traumsymptomatik erzählt, wo es immer um das Tanzen ginge – was homöopathisch betrachtet auf eben das Arzneimittel verweist. Damit endet der Fall; die Restsymptomatik ist weg.

Man glaubt es nicht: ein Fall von Herzkrankheit, geheilt mit Rhus tox, der sieben Jahre später mit Blasenkrebs vorstellig wird, welcher dann durch eine vom Homöopathen veranlasste urologische Bestrahlungstherapie geheilt wird – und bei dem die Restsymptomatik wiederum durch Homöpoathie geheilt wird, taucht in der Fallgeschichte auf als ein Fall von direkten Nebenwirkungen der Homöopathie, bei der Herzkrankheit und Blasenkarzinom als Folge der Homöopathie aufträten, mit angeblich sicherer kausaler Zuschreibung.

Man glaubt es nicht. Ist aber so, sagt Edzard Ernst.

Da bleibt mir die Spucke weg. Ihnen auch? Daher haben wir dem Herausgeber des Review geschrieben und auf den eklatanten Fehler aufmerksam gemacht (4). Mit dem Gedanken: wer so viel schreibt, hat keine Zeit, das was er schreibt auch zu lesen. Das hat auch, zeitgleich, noch ein anderer Autor festgestellt, als er versuchte, einen älteren Review von Ernst und Kollegen nachzuvollziehen. Es lassen sich so viele Fehler finden, dass man aber auch leicht zu anderen Schlußfolgerungen kommen könnte. (5)

Jedenfalls haben wir den Editor und die Autoren aufgefordert, den Text zurückzuziehen. Werden sie nicht tun, schätze ich mal. Aber der Editor hat wenigstens unseren Brief zur Publikation angenommen. Das ist auch schon was wert.

Falls Prof. Edzard Ernst es darauf anlegt, in die Geschichte einzugehen, wenn nicht wegen grosser wissenschaftlicher Leistungen, reicht es so vielleicht für die Sparte Kriminalistik: vom Professor, der den perfekten Mord erfand: nämlich, wie man mit Nix jemanden so umbringt, dass er danach mausetot ist, man nix als Ursache findet – und daher niemals herausfinden wird, dass Nix ihn umgebracht hat.

  1. Vickers, A. J. (2010). Reducing systematic reviews to a cut and paste. Forschende Komplementärmedizin, 17, 303-305. http://content.karger.com/ProdukteDB/produkte.asp?typ=pdf&doi=322397
  2. Posadzki, P., Alotaibi, A., & Ernst, E. (2012). Adverse effets of homeopathy: a systematic review of published case reports and case series. The International Journal of Clinical Practice, 66, 1178-1188. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ijcp.12026/full
  3. Geukens, A. (2001). Two more case histories. Journal of the American Institute of Homeopathy, 94, 93-105. http://harald-walach.de/wp-content/uploads/2012/12/Geukens_Case_JAIH_Ernst_Study_ro.pdf
  4. Walach, H., Lewith, G., & Jonas, W. (2012). Can you kill your enemy by giving homoeopathy? Lack of rigour and lack of logid in the systematic review by Edzard Ernst and colleagues on adverse effects of homeopathy (Letter). International Journal of Clinical Practice, in print.
  5. Tuchin, P. (2012). A replication of the study ‚Adverse effects of spinal manipulation: a systematic review‘. Chiropractic & Manual Therapies, 20(30). http://chiromt.com/content/20/1/30