Corona-Stammtisch 1 – Mein Freund der Feind




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Du, dem Kurz und dem Macron und der Merkel hätt‘ jetzt nix Bessres passieren können als wie dieser Virus, glaub‘ mir‘s. Warum? Schau, das ist wie bei mir und meiner Frau und dem Kirschbaum. Nämlich: Nach 14 Jahren Ehe oder so, verstehst, ist es auch nimmer so fesch und frisch wie früher. Meine Frau hat an mir rumg‘nörgelt, scho wieder a Bier, scho wieder zum Schachspielen und wer soll dem Buab‘n seine Gleichungen lösen, und der Wasserhahn tropft weiter und weiter und kost‘ uns an Haufen Geld, und früher hast net a so gschnarcht wie jetzt, und so halt. Kennst Du des net? Na wart nur. Jedenfalls hat sie dann plötzlich die Taktik geändert. Und hat eine geniale Idee gehabt: sie hat sich einen Feind gesucht.

Nicht in der Familie, na, nebenan: Nachbars Kirschbaum. Aber wie ein Kirschbaum ein Feind sein kann, des glaubst nicht. Denk mal: Im Winter ladet der Kerl den ganzen Schnee auf unser Garagendach und das tropft dann bei uns auf den Vorplatz, gefriert in der Nacht und wird zur tödlichen Eisplatten. Im Frühling ist er zwar schön, wenn er blüht, ohne Frage. Aber dann hast diese ganzen depperten Blüten überall, vor allem auf der Vorhaustreppe. Und weisst du wie rutschig das dann wird, wenn es regnet.

Mein lieber Schieber, da kannst hinstürzn und dir einen komplizierten Ellenbogenbruch holen oder gleich an Schädelbasisbruch, damit sich’s rentiert. Und ganz schlimm dann im Sommer. Du, der hat so viele Kirschen, ganz rot wird er. Dann kommen’s alle daher und fressen Kirschen, nur mir, mir kriegen nix. Die Vögel fressen Kirschen und scheißen mir auf mein Autodach und auf den Sonnenschirm. Die Wespen kommen und das ewige Gebrumme macht dich wahnsinnig. Außerdem stechen’s dich manchmal, die Wespen. Und im Herbst hast dann das ganze Laub. Abgesehen davon, dass der Kirschbaum im Sommer so viel Schatten macht und dir die ganze Sonne wegnimmt, wenn du dich grad drauf freust, dass dich jetzt in die Sonne legen willst. Also, wenn Du es mal so siehst, dann ist der Kirschbaum ein richtiger Feind, je nachdem.

Und kaum hat also meine Frau diesen neuen Feind gehabt, den Kirschbaum, genauer gesagt den Nachbarn, weil dem ja der Kirschbaum gehört, war sie eine liebe Seele. Willst no a Bier? Jetzt bist aber scho lang nimmer beim Schachspielen gwesen, oder? Und der Buab hat seine Rechnungen plötzlich anstandslos gemacht. Na, ob sie richtig waren hab‘ ich nicht prüfen können, so viel versteh ich nicht, aber Hauptsache g’macht. Und meine Frau war richtig beschäftigt plötzlich: Briefe hat sie geschrieben an den Nachbarn, an die Gemeinde, ist sogar in die Bibliothek und hat sich Gesetze angeschaut über den Pflichtabstand von Bäumen zur Grundgrenze und so Sachen. Und kaum hat sie ihren Feind g‘habt, war so ein Frieden.

So ähnlich ist des doch jetzt auch, oder? Ohne des Virus hätten’s jetzt alle Mordsprobleme, vor allem der Merkel hätt nix Bessres passieren können. So ein g‘scheiter Feind ist schon ein Glücksfall, wenn er zum rechten Zeitpunkt kommt. Er eint alle und sorgt für Ruhe und du hast was Gutes zu tun. Naja, was heißt da, kann man nicht vergleichen. Klar kannst a Seuche net voll und ganz mit am Kirschbaum vergleichen, aber a weng schon. Schau, an der Seuche stirbt net a jeder, nur a paar und zwar die, wo sowieso die nächsten Jahr gstorben wären.

Also a weng gfährlich ist sie schon, aber so a Kirschbaum ist auch ein gefährlicher Feind. Stell Dir vor Du rutscht auf die Blüten aus, oder auf der Eisplatte vom auftauten Schnee vom Kirschbaum: aus ist’s und Du bist in Nullkommanix im Krankenhaus. Oder Du beißt in a Wurstsemmel und es ist eine von dene Wespen drauf, sticht dich in Hals und auweh, so schnell kannst gar net ins Krankenhaus bist schon tot, weil bis sie dort die ganzen Gesichtsmasken suchen, die’s aufsetzen müssen bevor’s wen in Hals schauen da bist Du schon erstickt. Also, im Vergleich mit so einem Virus ist auch ein Kirschbaum ein richtig bedrohlicher Feind, jedenfalls net weniger. Halt nur für eine Partei, aber um des geht’s ja jetzt net.

Und des is ja wichtig, damit dir die Feinde zum Freund werden können: sie müssen genau den richtigen Grad an G’fährlichkeit haben, net zu viel, sonst wirst ihnen nimmer Herr, und net z’wenig, sonst glaubt’s Dir keiner. So eine mittlere G’fährlichkeit, so am unteren Rand der Skala, wie bei einem Kirschbaum, des is ideal.

Wenn I der Chines wär, I würd a Geschäftsmodell draus machen: Seuchen unterschiedlicher Gefährlichkeit übers Internet verkaufen: zur Bekämpfung der inneren Feinde und zur Einigung des Volkes, Gefährlichkeitsstufe 2, weil 1, des rentiert sich ja kaum. Bekämpfung der inneren Feinde bis zu deren Ausrottung, Gefährlichkeitsstufe 3, usw. Des funktioniert natürlich nur, wenn man dabei auch die Gegengifte mitliefern kann. Drum glaub ich auch nicht, wie der Ernst neulich gesagt hat, dass das mit dem neuen Virus pure Absicht war. Denn wenn des Absicht gwesen wär, wärens ja schön dumm gwesen ohne Gegengift so was zu bestellen. Aber vielleicht hat der Chines des ja eingeführt sozusagen als Kostprobe zum Nulltarif. Des ist a bissel so wie wenn der Kirschbaum sich zu meiner Frau geneigt hätt und ihr ins Ohr geflüstert hätt: ich bin dein Freund, der Feind. Aber wer weiss, vielleicht hat er das ja, in der Nacht, wo I g‘schnarcht hab.

Weitere Cartoons zu den Stammtischtexten finden Sie auf der Seite Medizinischer Yoga unter „SchattenSeiten„.