Wer hätte das gedacht? Die Politik kümmert sich um die Komplementärmedizin!

Portrait Prof. Harald Walach
Print Friendly



Am 26.6.2013, kurz vor dem akut gähnenden Abgrund des Sommerlochs, stellten Dr. Frank-Walter Steinmeier und 15 Abgeordnete der SPD-Fraktion eine sog. „kleine Anfrage“ an die Bundesregierung zur Bedeutung der Komplementärmedizin. Bei mir stand zu dem Zeitpunkt schon die Vorferienhektik vor der Tür, daher bin ich nicht mehr dazugekommen, das zeitnah zu kommentieren. Dadurch haben wir nun den Vorteil, dass wir auch gleich die Antwort der Regierung bestaunen können.

Ich bring dann mal kurz unsere Regierung auf den neuesten Stand:
Nachträge zur Regierungsantwort auf die „kleine Anfrage“ der SPD-Fraktion an die Bundesregierung zum Stand der Komplementärmedizin in der Republik im Juni 2013. [1]

Ob die Bundesregierung 2007 bei der Erstellung der Roadmap zur Gesundheitsforschung Vertreter der Komplementärmedizin mit eingebunden hätte, wollten die Abgeordneten da zum Beispiel wissen.

Das hätten sie von mir schneller erfahren können: nein, hat die Bundesregierung nicht. Wie überhaupt keine Bundesregierung seit der Regierung Schmidt und dann noch kurz Kohl sich überhaupt in irgendeiner Weise um die Komplementärmedizin gekümmert hat: also schon ziemlich lange nicht mehr.

Denn genauso wie die Anfrage ins Sommerloch hinein gepurzelt ist, ist die Antwort aus diesem wieder herausgepurzelt: da mußte wohl eine Praktikantin im Gesundheitsministerium die Fahne hochhalten.

Ich werde dazu gleich noch ein paar Anekdoten zum besten geben, aber der Reihe nach. Erst mal wollen wir der Regierung unter die Arme greifen. Denn genauso wie die Anfrage ins Sommerloch hinein gepurzelt ist, ist die Antwort aus diesem wieder herausgepurzelt: da mußte wohl eine Praktikantin im Gesundheitsministerium die Fahne hochhalten. Wir waren ja auch alle im Urlaub, so konnte sie niemanden fragen, der sich auskennt, die Arme – und jetzt ist der Herr Dr. Steinmeier in vielen Dingen so klug als wie zuvor.

Da helf ich doch gerne aus und beantworte für die Regierung ein paar Fragen, die offen geblieben sind. Dabei nehme ich Sie, liebe Leser, gerne mit auf eine politische Reise durch die komplementärmedizinischen Wirrungen der Republik, soweit ich sie denn überblicke.

„Eine Anfrage an die Bundesregierung ist natürlich mehr als eine blosse Äußerung parlamentarischer Neugier.“

Eine Anfrage an die Bundesregierung ist natürlich mehr als eine blosse Äußerung parlamentarischer Neugier. Sie ist ein politisches Instrument und eine politische Aussage. Die Aussage heißt: wir finden Komplementärmedizin wichtig und sie sollte in der entsprechenden Planung – Forschungs- und Gesundheitsplanung – berücksichtigt werden. Und das Instrument, gut angewandt, führt dazu, dass die Regierung die Hosen runterlassen muß.

In diesem Falle führte das dazu, für den Insider nicht verwunderlich, dass die Regierung beinahe komplette Naivität und Unwissenheit gestehen musste. Das sieht man schon daran, dass die Regierung in ihrer Aufstellung der geförderten Projekte in der Tat das wichtigste und teuerste, das von der DFG/BMBF geförderte Projekt von Benno Brinkhaus zur Wirksamkeit der Akupunktur bei Heuschnupfen, nicht einmal aufführt (DFG Fördernummer WI 957/16-1) [2]. So erscheint die Fördermenge von drei Projekten in fünf Jahren mit € 1.75 Mio erst recht nicht sonderlich illuster.

Die Fördermenge für komplementärmedizinische Forschung in Deutschland ist mit mit € 1.75 Mio über 5 Jahre vergleichsweise äußerst mager.

Teil der Anfrage war, perfide das, in welcher Höhe denn die Vereinigten Staaten die Forschung der Komplementärmedizin gefördert hätten. Da wäre es jetzt peinlich gewesen, wenn die Regierung, wie bei anderen aktuellen Fragen, geantwortet hätte, es lägen ihr hierzu keine Informationen vor. Denn das sind Informationen, die auch der leicht finden kann, dem das Internet noch als #neuland erscheint.

Diese Frage zielte natürlich darauf ab, dass die USA sogar ein eigenes Zentrum zur Erforschung der Komplementärmedizin eingerichtet haben, das sog. NCCAM – National Center for Complemtary and Alternative Medicine, das zu den nationalen Forschungsinstituten des NIH (National Institutes of Health http://nccam.nih.gov/) gehört und die Beforschung der Komplementärmedizin mit etwa $ 120 bis 150 Mio pro Jahr fördert – und zwar seit dem Bestehen im Jahr 1999.

Man findet auf der Webseite leicht die Summen, die die Regierungsantwort ja auch kundtut: etwa $ 127 Mio pro Jahr. Seit dem Bestehen im Jahre 1999 sind das $ 1,663 Milliarden. Hinzu kommen die $ 30 Mio die die Vorgängerinstitution, das Office of Alternative Medicine, seit seinem Bestehen 1992 zur Verfügung hatte.

Die USA haben in den letzten 5 Jahren über $ 600 Mio für die Forschung der CAM ausgegeben, dem gegenüber stehen € 1,75 Mio hierzulande im gleichen Zeitraum.

Also: die USA haben seit 1992 ungefähr $ 1.67 Milliarden für die Forschung der Komplementärmedizin ausgegeben und in den letzten 5 Jahren 631 Millionen. Wundert es einen da noch, dass die Regierung zwar diese Zahlen nennt, dann aber Nebelkerzen wirft und „abschließend keine Einschätzung darüber“ abgeben kann, „in welchem Umfang die Erforschung der Wirksamkeit der Komplementärmedizin in den USA gefördert worden ist.“?

Vielleicht haben das DOD und die NSA in den USA da vielleicht auch noch ein paar zusätzliche Milliarden investiert – und über derartige Abläufe jenseits des Grossen Teichs weiss man ja hierzulande schon mal grundsätzlich nichts, zumindest wenn man zur Regierung gehört.

Es stimmt zwar, es gibt in den USA auch ein Programm zur Erforschung der Komplementärmedizin, das über das Militärbudget abgewickelt wurde, sog. „congressional appropriations“, aber das waren ja nur „Peanuts“ ($ 50-100 Mio).

Angesichts solcher Zahlen hätte sich die Regierung schon ein bisschen mutiger aus dem Fenster lehnen und sagen können: „Leute, die USA haben die Komplementärmedizinforschung in den letzten zehn Jahren mit etwa 2 Milliarden Dollar gefördert. Aber wir waren auch nicht faul! Wir haben in den letzten 5 Jahren auch fast 2 Millionen ausgegeben. Wir sind ja auch kleiner und müssen überall helfen, den Griechen beim Durchforsten der Friedhöfe, dem Berlusconi seinen Fiat reparieren und so.“

Wir müssen doch dem Berlusconi seinen Fiat reparieren und so!

Die Regierung hätte sogar – aber das war leider nicht Teil der Anfrage – ein bisschen in der Historienkiste kramen können. Denn dann hätte sie richtig trumpfen können: ja, da gab es bei uns doch mal richtig goldene Zeiten, lange bevor die Amerikaner überhaupt auf die Idee kamen, Komplementärmedizin zu fördern. Das ging schon 1986 los mit dem Programm „Unkonventionelle Medizinische Krebsbekämpfung“ und wurde fortgesetzt mit dem Programm „Unkonventionelle Medizinische Richtungen“ [3].

Etwa € 15 Mio wurden hierzulande für die Beforschung der Komplementärmedizin ausgegeben, von 1986 bis 2003. Das meiste im Bereich unkonventioneller Krebstherapien, im ersten Förderungsprogramm der Regierung, das von 1986 bis 1992 lief. Dann legten die Kollegen aus Witten-Herdecke, die das Anschlußprogramm vorbereiteten, 1992 eine Umfrage bei deutschen Forschern vor, die zeigte, dass sich weit mehr als 100 Forscher in Deutschland für die Beforschung der Komplementärmedizin interessierten und also die nötige Infrastruktur durchaus gegeben sei [4]. Daraufhin legte die Bundesregierung 1994 ein neues Programm, „Unkonventionelle Medizinische Richtungen“ auf, das ein Budget von DM 6 Mio erhielt [5].

Wir waren alle glücklich, stellten Anträge; ich selber hatte auch zwei gestellt.

Wir waren alle glücklich, stellten Anträge; ich selber hatte auch zwei gestellt. Sie waren sogar vom Gutachtergremium bewilligt worden. Ich war grade dabei, mich durch die Papierberge der formalen Zulassungsunterlagen zu wühlen, da kam der Sparbeschluß der Regierung Kohl, um die Kosten der Wende zu finanzieren, und das Programm wurde „bis auf weiteres“ gestoppt. Das war ca. 1996 und bedeutete: alle bewilligten, aber noch nicht formal abgewickelten Projekte wurden auf Eis gelegt. Die anderen, und das waren die wenigsten, konnten weitermachen.

Das war das Ende der offiziellen Forschungsförderung in Deutschland, wie sich dann später herausgestellt hat, denn „bis auf weiteres“ heißt „bis heute“. Dann kam die rot-grüne Regierung unter Schröder. Meine Kollegen vom Forum Universitärer Arbeitsgruppen Komplementärmedizin und ich schickten hocherfreut und in Erwartung eines neuen Aufbruchs Frage um Frage an die zuständigen Stellen. Einmal kam sogar ein hochrangiger Vertreter der Regierung und des Projektträgers vorbei und stellte die Wiederauflage des Forschungsprogramms in Aussicht. Doch nichts geschah.

Ich schrieb ans Ministerium, wies darauf hin, dass andere Länder, u.a. die USA, schon viel investiert hatten. Dass wir aus Deutschland den Kollegen in den USA sogar bei der Gründung ihrer Institution einiges an Expertise zur Verfügung gestellt hatten, indem wir bei Gründungskonferenzen unsere Studienkonzepte vorstellten. Dass ja auch in England die Regierung offiziell Finanzierung zur Verfügung gestellt hätte; sogar die Schweiz ein eigenes Nationales Forschungsprogramm (NFP 34) mit 6 Mio CHFr. förderte; dass Norwegen ein eigenes Forschungszentrum für Komplementärmedizin eingerichtet hat, das es jährlich mit einen stattlichen Budget ausstattet usw. usf.

Die Antwort war ein magerer Dreizeiler: ich hätte damals einfach ein bisschen schneller sein sollen mit meinen Anträgen, dann hätte ich ja auch Geld gekriegt. Stimmt zwar, war aber nicht meine Frage gewesen. Das scheint in der Politik ein gängiger Trick zu sein, wie man ihn auch aus den modernen Callcentern kennt: man beantwortet Fragen, die nicht gestellt wurden und umgeht damit die gestellten. Oder man gibt die Antwort erst gar nicht, die man leicht geben könnte, weil es zu peinlich wäre, die Frage zu beantworten. Das sieht man auch bei der Antwort der Regierung auf die „kleine Anfrage“ der SPD-Fraktion in anderen Punkten.

Das scheint in der Politik ein gängiger Trick zu sein: man beantwortet Fragen, die nicht gestellt wurden und umgeht damit die gestellten.

Der Regierung lägen keine Informationen vor, heißt es da, etwa zu der Frage, wie viele Deutsche Komplementärmedizin in Anspruch nehmen, wie viele Professuren für Komplementärmedizin es gäbe, wie viel davon Stiftungs- und wie viele normale Professuren wären. Dabei wird die Frage, wie viele Deutsche Komplementärmedizin in Anspruch nehmen, etwa seit 1961 in Deutschland vom Institut für Demoskopie in Allensbach kontinuierlich gestellt und beantwortet. Je nach Fragestellung kommt dabei heraus, dass mindestens die Hälfte der Bevölkerung Naturheilverfahren verwendet, dass diese etwa 90% der Bevölkerung sympathisch sind, dass zwei Drittel der Bevölkerung Homöopathie gut finden und mehr als die Hälfte sie benutzt [6].

Genauso leicht hätte man auch die Frage beantworten können, zu der nach eigener Aussage der „Bundesregierung … keine Informationen“ vorlägen, wie viel Prozent der Bevölkerung in den USA Komplementärmedizin benutzen. Auch da helfe ich gerne aus: es waren im Jahr 2007 40% der US-Bevölkerung, die dafür $ 33.9 Milliarden ausgegeben haben [7].

Der Startschuss für die staatliche Beforschung der Komplementärmedizin in den USA war damals eine repräsentative Umfrage, die zeigte, dass die amerikanische Bevölkerung genauso viel Geld für Komplementärmedizin aus eigener Tasche ausgibt (damals waren es noch $ 13 Milliarden) wie für konventionelle Versorgung – und dass sie mehr Besuche bei komplementärmedizinischen Praktikern absolviert als in konventionellen Praxen [8].

Die Komplementärmedizin ist nicht nur ein großer Markt, sie ist auch ein riesiger weißer Fleck auf unserer Wissenslandkarte.

Was die Amerikaner und die Politiker der SPD, die die kleine Anfrage gestellt haben, begriffen haben, aber die Regierung (oder die Praktikantin, die die Beantwortung der kleinen Anfrage vorbereitet hat) nicht: die Komplementärmedizin ist nicht nur ein großer Markt, sie ist auch ein riesiger weißer Fleck auf unserer Wissenslandkarte. Wo so viel Interesse in der Bevölkerung vorhanden ist, da muss auch der Staat seiner Verantwortung nachkommen. Diese Botschaft ist in den USA angekommen, hierzulande aber noch lange nicht. Das zeigt die Anfrage klar und deutlich, und das zeigt vor allem die höchst dürftige Antwort der Regierung.

Wollen wir der Regierung bzw. den Fragestellern noch rasch bei den restlichen Fragen weiterhelfen. Denn die Regierung hat, wir ahnen es schon, ebenfalls keine Information dazu, wie viele Akademiker in den USA und wie viele in Deutschland an Universitäten zu dem Thema arbeiten.

Also, liebe Regierung und liebe SPD-Fraktion: In den USA gibt es das sog. Consortium of Academic Health Centers of Integrative Medicine. Das ist ein Verbund der Universitätskliniken in den USA, die eine Abteilung für Integrative Medizin haben (das ist in den Vereinigten Staaten der verbreitete Begriff dafür, dass komplementärmedizinische Verfahren, die sich wissenschaftlich und praktisch bewährt haben, in die Versorgung aufgenommen werden). Sechsundfünfzig, in Ziffern: 56, „highly esteemed academic medical centers“, liest man da, seien Mitglied. Die Liste liest sich wie das Who is Who der amerikanischen Universitätsmedizin: Harvard, Boston, Stanford, University of California, Yale, Duke, Johns Hopkins, Maryland, Mayo Clinic, University of Pennsylvania, North Carolina – you name it, they have it.

Alle großen Kliniken der USA haben mittlerweile ein Forschungs- und Versorgungszentrum zur Integrativen Medizin. Nicht jedes davon ist mit einer veritablen vollen Professur ausgestattet, aber jedes ist sicherlich mit einer Assistant oder Associate Professorship ausgestattet. Das sind zwar auch dort oft Leute, die sich ihr Geld mit Drittmittelforschung verdienen müssen, doch sie haben wenigstens diese Möglichkeit (und kein „Zeitvertragsbegrenzungsgesetz“ oder wie das Gesetz bei uns heißt, das genau das unmöglich macht), und NCCAM stellt die entsprechenden Mittel bereit.

Was ist das bloß für eine Regierung, muss man da denken, die ihr eigenes Land nicht kennt?

Und wie steht es in Deutschland um diese Dinge, zu denen „der Regierung keine Erkenntnisse vorliegen“? Hier gibt es, wenn ich richtig zähle, 8 Stiftungsprofessuren, die allesamt von Stiftungen, Firmen oder Klinikverbünden getragen werden, die fast alle zeitlich begrenzt sind, die auf keinerlei besonders vermerkte Forschungsgelder zurückgreifen können, und die allesamt nicht aus staatlichen Mitteln bezahlt werden.

Was die kleine Anfrage nicht direkt sagt, aber was zwischen den Zeilen zu lesen ist, vor allem in den Lakunen der Regierungsantwort, und was einmal gesagt gehört: dies ist ein veritabler politischer Skandal! Eine Regierung erlaubt es sich seit mehr als zwei Dekaden, die Mehrheit ihrer Bevölkerung und ihre Präferenzen im Gesundheitsbereich zu ignorieren. Sie erlaubt es sich sogar, so zu tun, als sei das alles ein Randthema – dabei haben immerhin mehr als 7.000 der niedergelassenen Ärzte eine Zusatzbezeichnung für Homöopathie, mehr als 13.000 praktizieren Akupunktur, 16.000 Naturheilverfahren [10], das sind etwa 10% aller Ärzte und etwa 15% aller niedergelassenen Ärzte. All diese Personen haben Medizin studiert und gefunden, dass sie mit dem alleine, was sie auf der Hochschule und in Weiterbildungen gelernt haben, nicht weiterkommen. Die Heilpraktiker sind da noch gar nicht gezählt . Unsere Regierung erlaubt es sich zu ignorieren, dass möglicherweise hier ein Sparpotenzial vorhanden ist, das wir nicht kennen, weil wir es nicht richtig untersuchen [9], bei gleichzeitigem Jammern auf höchstem Niveau, wie unbezahlbar doch die ganze Gesundheitsversorgung geworden ist.

Dies alles ist ein veritabler politischer Skandal!

Die Regierung ignoriert geflissentlich, dass der große Bruder USA, auf den man sonst neidisch, bewundernd und manchmal auch etwas hämisch blickt, schon lange verstanden hat, dass es sich bei diesem Thema um ein Thema mit politischer Bedeutung handelt, das wir nicht ignorieren dürfen. Und fährt das alte Rezept: „einfach mal weitermachen wie gehabt, ging doch bis jetzt auch, oder?“

Henning Albrecht hat in der Jubiläumsausgabe zum 20-jährigen Bestehen der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“ – ja, so alt ist die akademisch verankerte Forschung in diesem Bereich im deutschsprachigen Raum schon! – einen weitsichtigen und tiefgründigen Artikel zur Situation der Komplementärmedizin in Deutschland geschrieben. Den Artikel hätte unsere Praktikantin im Gesundheitsministerium besser vor ihrer Antwort mal lesen sollen; der ist ja sogar frei verfügbar. Darin zeichnet Albrecht die eigentlich traurige Geschichte der Forschung auf diesem Gebiet in unserer Republik nach. Er kommt zum Schluß: eigentlich ist die Befürwortung der Komplementärmedizin durch die Bevölkerung so deutlich, dass man ein Wahlkampfthema draus machen könnte.

Wenn alle Leute, denen die Komplementärmedizin wichtig ist, die Antwort auf die kleine Anfrage der SPD-Fraktion zum Thema Komplementärmedizin ernst nehmen würden und entsprechend abstimmen, dann hätte Frau Merkel schlechte Karten.

Lässt die Anfrage der SPD darauf schliessen, dass die Komplementärmedizin jetzt tatsächlich Wahlkampfthema geworden ist? Wohl eher nicht.

Mir würde schon reichen, wenn die politisch Verantwortlichen, wer auch immer das nach dem 22.9. sein wird, die entsprechenden Zeichen sehen und ihrer Verantwortung nachkommen würden.

 

  • siehe auch Claus Fritzsche im CAM-Media Watch Blog http://www.cam-media-watch.de/?p=17237
  • Brinkhaus, B., Ortiz, M., Witt, C. M., Roll, S., Linde, K., Pfab, F., et al. (2013). Acupuncutre in patients with seasonal allergic rhinits – a randomized trial. Annals of Internal Medicine, 158, 225-234. http://annals.org/article.aspx?articleid=1583578
  • die Liste der geförderten Projekte: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/568.php
  • Matthiessen, P. F., Roßlenbroich, B., & Schmidt, S. (1992). Unkonventionelle medizinische Richtungen : Bestandsaufnahme zur Forschungssituation Bremerhaven Wirtschaftsverl. NW, Verlag für Neue Wissenschaft.
  • Roßlenbroich, B., Teichert, J., Schulze-Pillot, T., & Matthiesen, P. F. (1997). Erste Etappen der Forschung in der Unkonventionellen Medizin und die staatliche Forschungsförderung. Forschende Komplementärmedizin, 4, 52-57. http://www.karger.com/Article/Abstract/210294
  • vgl. z.B. http://www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_studies/6184_Gesundheitsorientierung.pdf
    * Eardly, S., Bishop, F. L., Prescott, P., Cardini, F., Brinkhaus, B., Santos-Rey, K., et al. (2012). A systematic literature review of Complementary and Alternative Medicine prevalence in EU. Forschende Komplementärmedizin, 19(suppl 2), 18-28. http://www.karger.com/Article/Pdf/342708
  • Barnes, P. M., Bloom, B., & Nahin, R. L. (2008). Complementary and alternative medicine use among adults and children: United States, 2007. Hyattsville, MD: National Center for Health and Statistics.
    * Nahin, R. L., Barnes, P. M., Stussman, B. J., & Bloom, B. (2009). Costs of complementary and alternative medicine (CAM) and frequency of visits do CAM practitioners: United States 2007. Hyattsville MD: National Center for Health Statistics.
  • Eisenberg, D., Kessler, R. C., Foster, C., Norlock, F. C., Calkins, D. R., & Delbanco. (1993). Unconventional medicine in the United States. Prevalence, Costs and Patterns of Use. New England Journal of Medicine, 328, 246-252.
  • Herman, P. M., Poindexter, B. L., Witt, C. M., & Eisenberg, D. M. (2012). Are complementary therapies and integrative care cost-effective? A systematic review of economic evaluations. BMJ Open, 2, e001046. http://bmjopen.bmj.com/content/2/5/e001046.abstract
    * Viksveen, P., Dymitr, Z., & Simoens, S. (2013). Economic evaluations of homeopathy: a review. European Journal of Health Economics, DOI 10.1007/s10198-013-0462-7.
  • Siehe Gesundheitsberichterstattung des Bundes unter
    http://www.gbe-bund.de/oowa921-install/…
  • Albrecht, H. (2013). Zur Lage der Komplementärmedizin in Deutschland. Forschende Komplementärmedizin, 20, 73-77. http://www.karger.com/Article/Pdf/347149