„Nur mal kräftig zugestochen“ – Einige Gedanken zur aktuellen Akupunkturkontroverse

Portrait Prof. Harald Walach
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Während international über die größte Datenbasis zur Wirksamkeit der Akupunktur diskutiert wird, ergeht sich das deutsche Wissenschaftsfeuilleton in Schweigen. Ich habe darüber vor kurzem im Blog von symptome.ch geschrieben.

SZ über „Risiken der Akupunktur“ – inkompetent berichtet….

In der Zwischenzeit stellt sich heraus: die SZ hat über die Akupunktur prominent und offenbar wissentlich, oder wenn nicht wissentlich, dann ziemlich inkompetent über die Akupunktur berichtet. Sie wurde daraufhin von der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA) presserechtlich verklagt, so dass sie eine Gegendarstellung veröffentlichen mußte.

Anlass war die Berichterstattung über eine eigentlich uralte (schon im Januar online publizierte) und methodisch wenig überzeugende Studie über Nebenwirkungen der Akupunktur; auch sie habe ich in meinem Blogbeitrag kommentiert. Es ist doch merkwürdig: Wie kommt es, dass die Wissenschaftsredaktion einer der angesehensten deutschen Tageszeitungen die wichtigste Akupunkturstudie seit langem geradezu bewusst ignoriert, während sie eine offensichtlich methodisch fragwürdige Studie ausführlich würdigt?

Dagegen wirkt derzeit Spiegel- Online, ein Medium, dem man nicht gerade eine freundliche Haltung gegenüber unkonventionellen Ansätzen bescheinigen kann, in seinem aktuellen Akupunktur-Artikel geradezu hochgradig kompetent. Schläft bei der SZ ein Chefredakteur? Heißt er es gut, nach dem Motto: Nur mal kräftig zugestochen, kann nicht schaden? Verbirgt sich dahinter Absicht?

…nach dem Motto: Nur mal kräftig zugestochen, kann nicht schaden?

Caroline Walter, eine investigative Fernsehjournalistin, hat in ihrem Buch „Patient im Visier“, beschrieben, wie sie sich als Pharmafirma-Vertreterin ausgab, in eine sogenannten Pharma-Agentur Einlaß fand, die im Auftrag der Industrie dafür sorgt, dass positive Berichterstattung über neue Produkte in den redaktionellen Teilen der großen Tageszeitungen erscheinen. Die in München ansässige Firma rühmte sich, auch entsprechende Journalisten, die für eine namhafte, bundesweit gelesene Tageszeitung schreiben, zu ihren bezahlten Bediensteten zu zählen.

Die in München ansässige Pharma-Agentur rühmte sich, auch Journalisten … zu ihren bezahlten Bediensteten zu zählen!

Vielleicht sollte man der DÄGfA den Rat geben, auch eine derartige Pharma-Agentur zu beauftragen, um positive Berichterstattung zu erhalten?

Lesen Sie dazu auch: Dr. Christian Ullmann: „Schmerz lass nach. Wie tendenziös die Süddeutsche Zeitung über Akupunktur informiert.“